Fußballer gehen ungern neue Wege

In der Relegation klingelten die Kassen DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann regt an, über Änderungen des Spielmodus nachzudenken

Von Wolfgang Brück

Heidelberg. Nach der Runde ist vor der Runde. 39 Tage nachdem in Waldwimmersbach mit einem 2:1-Sieg von Neckargemünd gegen Spechbach im Aufstiegs-Finale zur B- Klasse die letzte Saison zu Ende ging, wird im Fußballkreis Heidelberg der Ball wieder rollen. Am nächsten Donnerstag (Anstoß: 19.30 Uhr) empfängt die SG Dielheim in der ersten Runde des bfv-Pokals den SV Schwetzingen. Wenn sich Felix Wiedemann nicht täuscht, darf sich Sven Mader, der beim Landesliga-Aufsteiger Kassenwart ist, auf reichlich Arbeit einstellen. "Die Erfahrung zeigt, dass besondere Spiele einen besonderen Reiz ausüben", stellt der für den Spielbetrieb zuständige Geschäftsführer des Verbandes fest.

Im zurückliegenden Spieljahr kam das Beste zum Schluss. Die Relegations-Spiele waren Zahl- und Festtage. In Fahrenbach und Nußloch begleiteten rund 2000 Zuschauer den ASC Neuenheim auf seinem Weg in die Verbandsliga. Im sehr hohen dreistelligen Bereich war auch die Zahl der Besucher bei den Relegationsspielen zur Landesliga in Reilingen und Ketsch. Srbija Mannheim setzte sich gegen Rauenberg und Horrenberg durch.

Die Frage liegt nahe. Würden mehr Zuschauer kommen, wenn es mehr Spiele mit Entscheidungs-Charakter gäbe? Ronny Zimmermann glaubt, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken. Eine Auf- und Abstiegs-Runde wie in Österreich und der Schweiz oder Playoffs wie beim Eishockey könnten für neue Reize sorgen, denkt der 62-jährige bfv-Chef und Erste Vize-Präsident im Deutschen Fußball-Bund. Zimmermann hat indes das Gefühl, dass Fußballer nicht zuvorderst den Finger strecken, wenn es um Veränderungen geht. "Andere Sportarten sind innovativer", meint der Rechtsanwalt aus Wiesloch. König Fußball, sagt Zimmermann, sei nun mal lange in der Komfortzone gewesen.

Johannes Kolmer hat sich im Frühsommer zwar kein Relegationsspiel entgehen lassen, der Vorsitzende des Fußballkreises Heidelberg ist aber überzeugt, dass weniger mehr ist. "Mit Mühlhausen, Neuenheim, Rauenberg und Horrenberg waren diesmal vier Heidelberger Vereine in der Relegation. Dazu kam die Aufstiegsrunde zur Kreisklasse B mit Neckargemünd, Spechbach, Balzfeld I/Horrenberg II und der FG Rohrbach. Es darf nicht inflationär werde, sonst werden die terminlichen Probleme den Spaß überlagern", warnt der 68-jährige Haupt-Kommissar a.D. Sein Stellvertreter Frank Wolf stimmt zu.

Der Fußballkreis Heidelberg verzichtet im Gegensatz zu anderen Kreisen auf Relegationsspiele. Das soll sich auch in der kommenden Runde nicht ändern. Zwischen C-Klassen und Kreisliga finden keine ligaübergreifenden Spiele statt. In der A- und B-Klasse gibt es jeweils zwei Auf- und Absteiger. Saisonstart ist am dritten August-Wochenende. Die Kreisliga beginnt eine Woche früher. Wie üblich steigt der Meister auf, der Vizemeister darf an der Relegation zur Landesliga teilnehmen. Im Kreispokal geht es mit der Qualifikationsrunde am übernächsten Wochenende los. Der Staffeltag findet am Dienstag darauf in Dielheim statt.

Kolmers Mosbacher Kollege Martin Walzer findet "Relegationsspiele toll". Der 58- jährige Audi-Mitarbeiter aus Neckarburken denkt gerne an die Saison-Höhepunkte in Fahrenbach. Vor einem Jahr machten die Lokalrivalen Robern mit dem Ex- Hoffenheimer Heiko Throm und Sattelbach, wo Bundesliga-Profi Dennis Geiger groß wurde, den kleinen Odenwald-Ort zur Partymeile. Auch das Neuenheimer Spiel gegen Lauda wurde zum Festtag. Skeptisch machen Walzer die Vorfälle in Binau, als Türkspor Mosbach und Zwingenberg die Kräfte auch nach dem Abpfiff maßen.

Der badische Vize-Präsident Rüdiger Heiß aus Reichartshausen gibt zu bedenken, dass der Teufel oft im Detail stecke. Im Corona-Jahr konnte ein Experiment in der Landesliga Odenwald nicht überzeugen. Für die Mehrzahl der Vereine in der Meisterrunde war der Zug früh abgefahren und die Spannung weg, die Teilnehmer der Abstiegsrunde empfanden den Druck als zu groß.

Das Fazit: Bei den Staffeltagen der Oberliga, Verbandsliga und Landesliga Anfang der Woche auf Schöneck und bei Rot-Weiß Rheinau war eine radikale Änderung kein Thema. Schrittweise, sagt Felix Wiedemann, wolle man den Amateurfußball attraktiver machen. Er kann sich ein Supercup-Spiel zwischen dem Verbandsliga- Meister und dem Pokalsieger vorstellen. Immerhin, bereits die Saison-Eröffnung hat Potenzial. Der ASC Neuenheim tritt am Freitagabend (Beginn: 19.30 Uhr) in Heddesheim an. Mit drei Spielern, die kein Navi brauchen. Sie haben für die Fortuna Fußball gespielt.