Kreisliga Heidelberg
Saison 2022/23
Vorbericht zum 7. Spieltag

RNZ-Vorschau

"Ohne Linienrichter verändert sich das Spiel"

Amateurfußball in Not, Teil drei: Der Rettigheimer Trainer Heiko Rosenfelder befürchtet erhebliche Auswirkungen auf die Kreisliga

Von Wolfgang Brück

Heidelberg. Aufatmen beim TSV Rettigheim. Mit 5:1 gegen Heiligkreuzsteinach feierte der Kreisligist im sechsten Spiel den ersten Sieg. Mit jetzt vier Punkten rückte Rettigheim auf den zwölften Platz, ganz glücklich ist Timo Kretz nicht. "Wir müssten vier, eher sogar sechs Punkte mehr haben", sagt der Fußball- Abteilungsleiter. Er moniert Abseitstore, die aberkannt, Elfmeter, die nicht gepfiffen, und Rote Karten, die nicht verhängt wurden. "Seit Sommer muss die Kreisliga auf Linienrichter verzichten. Deshalb sind die Schiedsrichter häufig überfordert. Kein Vorwurf: Aber sechs Augen sehen nun mal mehr als zwei", meint Kretz.

Auch der Wieblinger Fußball-Chef Mario Brambach bedauert, dass die Unparteiischen nicht mehr zu dritt kommen. Beim 0:1 in Rot gab es zwei umstrittene Abseits-Entscheidungen. Wieblingen bleibt Vorletzter wartet weiter auf den ersten Sieg.

Heiko Rosenfelder befürchtet sogar, dass der Schiedsrichter-Notstand den Fußball verändern wird. "Es tut mir weh. Ich kann nicht mehr so spielen lassen, wie ich es für richtig halte", klagt der Trainer des TSV Rettigheim, "es verdirbt mir sogar ein wenig den Spaß." Der Mitarbeiter im DKFZ: "Offensives Spiel, scharfes Pressing sind mir bei nur einem Unparteiischen zu riskant, zumal er ja nicht immer auf Ballhöhe sein kann."

Rosenfelder findet, dass sich auch die Vereine hinterfragen müssen. "Bevor man Geld für Spieler ausgibt, sollte man es in die Ausbildung von Schiedsrichtern investieren", regt er an. Auch Brambach ist der Ansicht, manche müssten sich an die eigene Nase fassen. ,"Es ist schlimm, was sich gerade junge Linienrichter anhören müssen. Da kann man verstehen, dass ihnen die Lust vergeht", fühlt der 54-jährige Sanitär-Installateur mit.

Für einen fairen Umgang plädiert auch Timo Kretz. Der 44-jährige Vertriebsleiter gibt aber zu bedenken: "Man darf es sich nicht zu einfach machen und alles auf den rauen Ton schieben. Zum Fußball gehören nun mal Emotionen." Wie Christian Erhart, Sportchef beim VfB Rauenberg, und Albert Dussel, der langjährige Vorsitzende des TSV Gauangelloch, sieht Kretz die Verantwortlichen im Verband in der Pflicht. "Mehr Geld für die Schiedsrichter würde helfen. Auch wenn die Entwicklung in erster Linie mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun hat. Heutzutage gibt es eben viele Angebote."

Wie die Kollegen warnt auch Kretz davor, das die Kluft zwischen Profis und Amateuren zu groß wird. "In der Bundesliga wird kalibriert, in den Videokeller geschaltet und über weitere Schiedsrichter diskutiert, bei uns soll einer allein alles im Blick haben."

Nach dem TSV Rettigheim strebt auch der TSV Wieblingen den ersten Saisonsieg an. Obwohl mit der SG Viktoria Mauer die Mannschaft der Stunde zum Blauen Turm kommt, ist Mario Brambach zuversichtlich: "Die personelle Situation hat sich etwas entspannt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden."

Fest mit dem Klassenerhalt rechnet auch Timo Kretz. Doch Wetten geht er lieber nicht ein. "Vor neun Jahren haben viele von der Landesliga geredet und dann sind wir in die A-Klasse abgestiegen", erinnert er. Vor dem Gegner am Sonntag zur ungewöhnlichen Zeit von 17.30 Uhr muss man indes nicht warnen. Aufsteiger Dielheim ist Tabellenführer und – nach dem 2:1-Sieg in Rot – Pokal-Halbfinalist. Dielheim und Rettigheim kooperieren beim Nachwuchs, einige Spiele kennen sich aus der Jugend.. Ein reizvolles Duell, das es zum letzten Mal in der Saison 17/18 in der A-Klasse gab. Damals gewann Rettigheim mit 2:1 und 3:0.

Für akute Krisen hat Kretz übrigens einen todsicheren Tipp: Fleischkäse. Der Abteilungsleiter: "Vor dem 5:1 gegen Heiligkreuzsteinach haben die Jungs und die Trainer beim gemeinsamen Essen die Köpfe zusammen gesteckt. Das hat geholfen."

Sonntag, 12.45 Uhr: TSV Wieblingen - SG Mauer; 15 Uhr: VfB Leimen - 1. FC Wiesloch, SG-SV Lobbach - VfB Rauenberg, Eberbacher SC - FC Dossenheim, VfL Heiligkreuzsteinach - ASC Neuenheim II; 17.30 Uhr: SG Dielheim - TSV Rettigheim; SG Heidelberg-Kirchheim II spielfrei.

RNZ vom 30.09.2022, Seite 23