Landesliga Rhein-Neckar
Saison 2021/22
Vorbericht zum 1. Relegationsspiel

Ein Relegations-Halbfinale mit vielen Unbekannten

Am Samstag um 15.00 Uhr wollen die Vizemeister ASC Neuenheim und 1. FC Ersingen in Forst das Ticket für das Endspiel um den Verbandsliga-Aufstieg lösen!

Was gibt's Spannenderes als Relegationsspiele? Beim ASC erinnert man sich noch gerne an den Thriller von Mauer. Am 13. Juni 2016 schlug die Mannschaft von Cheftrainer Alexander Stiehl den SV Rohrbach mit 3:2 und stieg in die Landesliga Rhein-Neckar auf. Fast auf den Tag genau sechs Jahre später der nächste Showdown in der 44jährigen Vereinsgeschichte.


ASC Neuenheim - Spvgg 06 Ketsch (Foto: Alfred Gerold (vaf))

Am Samstag, dem 11. Juni, um 15.00 Uh trifft das Team von ASC-Trainer Uli Brecht im Relegations-Halbfinale zur Verbandsliga Nordbaden auf den 1. FC Ersingen, Vizemeister der Landesliga Mittelbaden. Austragungsort ist das Stadion des Bruchsaler Kreisliga-Vierten FC Germania Forst.

Die Gemeinde Kämpfelbach, zu der der Ortsteil Ersingen (ca. 3.000 Einwohner) gehört, liegt idyllisch am Nordrand des Schwarzwalds bei Pforzheim. Am Samstag erwartet das zahlreiche Publikum allerdings kein "Kämpfel", sondern ein heißer Kampf um den Einzug ins Aufstiegsfinale.

Ähnlich starke Defensivabteilungen!

Der 1. FC Ersingen hat sich als Tabellenzweiter der Landesliga Mittelbaden hinter dem souveränen Meister VfB Bretten (76 Punkte) mit 65 Zählern und 62:32 Toren mit sechs Punkten Vorsprung auf den TSV 05 Reichenbach für die Play-offs qualifiziert. Der ASC Neuenheim (62 Punkte) machte es bekanntlich knapper und erreichte im Herzshclag-Finale über das beste Torverhältnis der Landesliga Rhein-Neckar (88:33) vor dem punktgleichen Stadtrivalen FT Kirchheim den begehrten Relegationsplatz.

Bester Torschütze im Team von FC-Trainer Stefan Rapp war in der letzten Saison der 25jährige Noah Reinle mit zehn, gefolgt von Kevin Geiger (28) mit acht Treffern. Während die Neuenheimer Offensive mit Ben-Richard Prommer (29 Tore), Tarek Aliane (16) und dem leider verletzt ausfallenden Kapitän Levin Sandmann (14) deutlich mehr auf dem Konto hat, sind die beiden Defensivreihen mit 32 Gegentreffern (1. FC Ersingen) und 34 Gegentoren (ASC Neuenheim) zumindest statistisch ähnlich stark einzuschätzen.

Für beide Kontrahenten ist es ein Halbfinale mit vielen Unbekannten. Daher sagt ASC-Trainer Uli Brecht zurecht: "Wir sind stark, wir schauen auf uns." Entscheidend wird wohl sein, wie die Halbfinalisten mit dem enormen Druck des Siegen-Müssens auf dem Forsten Rasen umgehen.

Der glückliche Sieger dieses nord-mittelbadischen Duells trifft am Donnerstag, dem 16. Juni, auf der Sportanlage des Sinsheimer Kreisklasse-Vereins SV Neidenstein ebenfalls um 15.00 Uhr auf den Gewinner des Halbfinals zwischen dem FV Lauda, Vizemeister der Landesliga Odenwald, und dem Verbandsliga-Viertletzten SV Langensteinbach. Dieses Endspiel um den Aufstieg geht an Fronleichnam an einem noch unbekannten Ort über die grüne Bühne. Doch daran denkt wohl noch keiner der beiden Halbfinalisten am Samstag in Forst. Die erste Relegations-Hürde ist hoch genug!

Nach Forst braucht man keinen Hubschrauber, Herr Kolmer!

Von Heidelberg nach Forst sind es über die A5 ca. 35km - und somit deutlich näher als z.B. der Landesliga-Trip zum TSV Kürnbach. Johannes Kolmer, Vorsitzender des Fußballkreis Heidelberg, empfahl für die Anreise schmunzelnd den Einsatz eines Hubschraubers (RNZ vom 7. Juni). Aber auch mit dem Auto (am besten in Fahrgemeinschaften) lässt sich der Weg zum Halbfinale bei wohl herrlichem Wetter zügig bewältigen.

Also, liebe Fußballfreunde: Auf nach Forst! Ihr werdet es nicht bereuen!

Joseph Weisbrod

RNZ-Vorbericht

Der Gegner hat das Verlieren verlernt

Ersingen ist seit November 17 Mal unbesiegt, dennoch geht Neuenheim mit guten Chancen in die Relegation zur Verbandsliga

Wolfgang Brück

Heidelberg. Thomas Weik konnte der 1:8-Niederlage etwas Positives abgewinnen. "In Neuenheim sind die Leute nett. Es gibt keine bösen Zwischenrufe von außen, auf dem Platz geht es fair zu", lobt der langjährige RNZ-Mitarbeiter und Pressewart der Spielvereinigung Ketsch. Auch Cedric Waxmann und Jannis Halter kommen gerne in die Tiergarten-Straße. "Die Neuenheimer sind sympathisch", sagen die Spieler des FC Bammental.

Man kann einwenden, dass nett und sympathisch Eigenschaften sind, mit denen man bei der Schwiegermutter punkten kann, im Fußball aber nicht weit kommt. Der Landesliga-Vizemeister beweist das Gegenteil. Der ASC Neuenheim geht mit guten Aussichten in die Relegation zur Verbandsliga. Am Samstag, 15 Uhr, ist in Forst der 1. FC Ersingen, Zweiter der Landesliga Mittelbaden, der erste Gegner. Ab 18 Uhr spielen in Neidenstein der Odenwälder Vize FV Lauda und der Verbandsliga-13. SV Langensteinach gegeneinander. Am darauf folgenden Donnerstag, an Fronleichnam, geht es ab 15 Uhr für die Sieger um den letzten freien Platz in der Verbandsliga.

Auch wenn nur die bessere Tordifferenz gegenüber den punktgleichen Freien Turnern Kirchheim den Ausschlag gab, der ASC Neuenheim wurde verdient Vizemeister. Die Anatomen schossen zehn Tore mehr als Meister Neckarau, nämlich 88, und haben mit nur 33 Gegentreffern in 32 Spielen die beste Abwehr.

Eine Schwächephase im April mit fünf sieglosen Spielen kosteten Titelgewinn und Direkt-Aufstieg. Zuletzt nahm der ASC-Express wieder Fahrt auf. Um 27 Tore war Neuenheim besser als die Freien Turner. Der Sturm ist ein Orkan. Ben-Richard Prommer mit 34, Tarek Aliane mit 17 und Levin Sandmann mit 14 Saisontreffern ragen heraus. Sandmann wird in Forst ebenso wie Marcel Hofbauer und Fabian Springer verletzt fehlen.

2111 ist die Zahl, die den Gegner am besten charakterisiert. Am 21. November hat der 1. FC Ersingen zum letzten Mal ein Punktspiel verloren, damals mit 0:3 in Ispringen. Danach blieben die Fußballer aus dem Nord-Schwarzwald in 17 Begegnungen, von denen sie 13 gewannen, ungeschlagen. Die vom Neuenheimer Team-Manager "Toto" Weick ausspionierten Ersinger waren nach der Hinrunde noch Neunter, belegten am Ende mit elf Punkten Rückstand zum VfB Bretten und sechs Zähler vor dem TSV Reichenbach den zweiten Platz in der mittelbadischen Landesliga.

Richtig bekannte Namen gibt es nicht, umso größer ist die Begeisterung im Ortsteil von Kämpfelbach, das ein paar Kilometer von Pforzheim entfernt liegt. Ruckzuck war der Bus für Forst ausgebucht.

Auch in Neuenheim ist man dabei, eine gemeinsame Fahrt zu organisieren. Marketing-Chef Alexander Stiehl hat die Sache in die Hand genommen. "Wir hoffen auf Unterstützung", appellieren Trainer Uli Brecht, Sportchef Marc Saggau und Medien-Direktor Joseph Weisbrod vor dem ersten Endspiel.

Nur brav sind die Fußballer aus dem feinen Heidelberger Stadtteil übrigens nicht. Super-Talent Tarek Aliane ist im bunten Berlin aufgewachsen, jetzt studiert er in Mannheim und lebt in einer WG mitten im wilden Jungbusch.

RNZ vom 10.06.2022, Seite 25