Heidelberg Kreisklasse A
Saison 2009/10, 29. Spieltag

Vorbericht zum 29. Spieltag in der Rhein-Neckar-Zeitung

Samstag, 22. Mai 2010, 16:00 Uhr
1.FC Mühlhausen - ASC Neuenheim 1:2 (1:1)

Aufstellung des ASC Neuenheim
  1. Benny Bolich
  2. Felix Louis
  3. Christian Warnemann
  4. Matthias Hohmann
  5. Andreas Roth
  6. Turhan Arslan (13. Emanuel Smarsly, 87. Miguel Bernal)
  7. Simon Erl
  8. Daniel Toma
  9. Mathias Riedesel (88. Patrick Helten)
  10. Tim Thumulka
  11. Christoph Gebhardt
  12. Emanuel Smarsly
  13. Sajan Wagner
  14. Patrick Helten
  15. Miguel Bernal
  16. Mark Schröder
  17. Felix Frank (ETW)
Tore
  • 1:0 2.Min Nikolas Fuchs
  • 1:1 29.Min Andreas Roth
  • 1:2 83.Min Mathias Riedesel, nach Flanke von Christoph Gebhardt

Final Countdown: ASC schockt Mühlhausen durch erste Heimniederlage!

Herzschlagfinale im Aufstiegs-Dreikampf der Heidelberger Kreisklasse A: Der Gast aus Neuenheim schockt den zuhause bisher unbesiegten Aufsteiger 1. FC Mühlhausen in einem vor allem von der Dramatik lebenden Spitzenspiel mit der ersten Heimniederlage. Da Tabellenführer SV Waldwimmersbach gleichzeitig mit 3:1 gegen das Perspektivteam der SG Kirchheim gewinnt, kommt es nun am letzten Spieltag zum spannenden Showdown um Aufstieg und Meisterschaft.

Im von der Sonne verwöhnten Waldparkstadion überrascht die heimstärkste Mannschaft der Liga vor geschätzten 150 erwartungsfrohen Zuschauern das beste Auswärtsteam mit einem Blitzstart. Keine zwei Minuten sind gespielt, als FCM-Cheftorjäger Christian Thome (23 Saisontore) sich bis zur Grundlinie durchtankt und vor die akut vernachlässigte Neuenheimer Beziehungskiste flankt. Nikolas Fuchs vollendet die Silbertablett-Vorlage mit einem wuchtigen Flugkopfball zur frühen Führung für Mühlhausen und macht damit seine 20-Tore-Marke voll.

Neuenheims Initialzündung durch Andreas Roths Urknall zum Ausgleich

Danach entwickelt sich ein ausgeglichenes, zähes, von der Taktik geprägtes Kampfspiel mit seltenen Strafraumszenen. Der Schachzug von FCM-Spielertrainer Sascha Zrnic, seinen wendigen Power-Riegel Björn Menges (auch schon 15 Saisontore) in der Innenverteidigung auf ASC-Topgunner Mathias Riedesel anzusetzen, scheint zu gelingen. Denn in der Heidelberger Offensive tut sich zunächst wenig. Dann die urgewaltige Initialzündung in der 29. Minute. Da holt Neuenheims Mittelfeld-Routinier Andreas Roth nicht das chirurgische Feinbesteck, sondern den Vorschlaghammer heraus. Sein brachiales, unvermittelt aus dem Fußgelenk abgefeuertes 20-Meter-Geschoss schlägt vom Innenpfosten im FCM-Netz ein.

Die Anatomen agieren nun beherzter, gehen energischer in die Zweikämpfe, bieten im Mittelfeld Paroli und holen endlich ihr Skalpell aus dem Instrumentenschrank. 31. Minute: Mathias Riedesel erläuft einen gestochen scharfen Steilpass von Simon Erl und schießt aus der Drehung. Doch FCM-Torwart Giovanni Vitali macht seinem Namen alle Ehre und wehrt höchst vital ab. 35. Minute: Mühlhausens blondschopfiger Headhunter Niko Fuchs kann nach einem Freistoß erneut frei und gefährlich auf die Neuenheimer Beziehungskiste köpfen. 41. Minute: ASC-Gepard Christoph Gebhardt jagt auf der freien linken Wildbahn unaufhaltsam davon. Doch Mathias Riedesel kann die perfekte Hereingabe des Sachsenpfeils nicht verwerten.

Foucault'sches Pendel: Der ASC hält trotz Unterzahl die Balance im dramatischen Spitzenspiel

Nach dem Wiederanpfiff des ausgezeichneten, weil stets buddhistische Ruhe und Fingerspitzengefühl bewahrenden Schiedsrichters neutralisieren beide Teams sich auf beachtlichem Niveau. Als der gute Neuenheimer Verteidiger Christian Warnemann nach dem zweiten taktischen Foul wegen der gelbroten Karte seinen Platz zerknirscht räumen muss, scheint das Foucault'sche Pendel zugunsten des Gastgebers auszuschlagen. Doch Neuenheim hält die Schwingungen und die Rotationsachse dieses Spitzenspiels in der Balance. Als Mühlhausen den Druck verstärkt, zeigt die Neuenheimer Abwehr um Kapitän Felix Louis, warum sie mit den wenigsten Gegentoren (nur 27) den besten Rettungsschirm der Liga besitzt.

Mühlhausen stirbt den schnellen Kontertod

Die cleveren Anatomen setzen nun auf gezielte Konterschnitte ins Nervenzentrum der Blaugelben. Erfahrung ist nicht das, was mit einem geschieht, sondern was man daraus macht. Matthias Hohmann setzt diese Erkenntnis auch auf dem Rasen um. 83. Minute: Der Neuenheimer Spielertrainer schickt Christoph Gebhardt mit einem gefühlvollen Aufreißerpass auf einen Höllentrip, dem kein FCM-Verteidiger folgen kann. Der Wirbelstürmer startet bis zur Ziellinie durch und flankt scharf auf die andere Strafraumseite. Da lechzt "Basic Instinct"-Vollstrecker Mathias Riedesel geradezu nach dem Ball und nimmt ihn volle Pulle volley. Mühlhausens kräftiger "Buffon" Giovanni Vitali hat keinerlei Haltbarkeitschance. Tor Nr. 21 auf dem prallen Saisonkonto von Mathias Riedesel.

ASC-Torwart Benny Bolich hält den wichtigen Auswärtssieg fest

Die Gastgeber setzen nun alles auf eine Karte. Nun schlägt die Stunde des vielleicht besten Torhüters in dieser Kreisklassen-Saison. 85. Minute: Viele der erstaunlich stillen FCM-Anhänger (weilt der lautstarke harte Kern etwa auf einer Pfingst-Wallfahrt nach Lourdes?) haben schon den Torschrei auf den verstummten Lippen, als ASC-Keeper Benny Bolich schnell wie ein Haubentaucher den verdeckten Flachschuss aus der Ecke fischt. 87. Minute: Ein FCM-Angreifer stürmt allein auf Neuenheims Traumhüter zu. Doch BB sagt "nee" und wehrt erneut glänzend ab.

In der 90. Minute kann aber auch Neuenheims Last-Minute-Matchwinner nicht mehr eingreifen. Da rettet der Innenpfosten für die aufopferungsvoll kämpfenden Neuenheimer. Die Anatomen können Ex-Bischöfin Margot Kässmann nur zustimmen, die da sagte: "Wir können die Pille auch als Geschenk Gottes sehen!" Denn die Verhütung des Ausgleichs ist dem ASC mit Glück und Geschick gut gelungen. Wer in Unterzahl beim die ganze Saison zuhause ungeschlagenen Topteam gewinnt, steht zu Recht auf einem Aufstiegsplatz.

Final Countdown: Entscheidet das Torverhältnis den Showdown um den Aufstieg?

Leider ist die Situation an der Tabellenspitze vor dem letzten Spieltag ungeklärter, als sie es sein dürfte. Denn der Spielabbruch am 24. April 2010 zwischen dem FC Dilsberg und dem FC Mühlhausen liegt bereits einen Monat zurück. Doch die Spruchkammer bzw. das Kammergericht ist immer noch nicht zu einem Urteil gekommen. Wenn Mühlhausen die Punkte aus dem abgebrochenen Spiel auf dem Dilsberg doch noch zugesprochen bekommt und die Partie vom Kammergericht mit 0:3 Toren für den FCM gewertet wird, sind der ASC Neuenheim und Mühlhausen mit je 64 Zählern punktgleich. Der SV Waldwimmersbach führt die Tabelle mit 66 Punkten vor dem ASC an, hat aber das schlechteste Torverhältnis des Spitzentrios.

Letztlich kann also das Torverhältnis über den Aufstieg entscheiden. Und da hat der ASC Neuenheim keine schlechten Karten. Die Anatomen empfangen am nächsten Samstag den SC Gaiberg. Der Absteiger ist am Samstag zuhause vom SV Altneudorf mit 3:11 Toren fürchterlich verprügelt worden. Der ASC hat den SC im Hinspiel mit 10:0 vom Gaiberg gefegt. Auf Mühlhausen wartet bei den Hartplatz-Spezialisten vom Aramäischen KSV Leimen wohl das schwierigere Endspiel.

Der exzentrische Champions League- und Triple-Sieger Josť Mourinho sagt über seinen Trainerjob: "Es ist wichtig, mit Liebe zur Arbeit zu gehen. Mit Liebe fühlt man sich stärker." "Es wäre schön, wenn möglichst viele Zuschauer den ASC Neuenheim beim liebevollen Showdown um den Aufstieg - vielleicht sogar um die Meisterschaft - am Samstag, dem 29. Mai 2010, ab 16.00 Uhr anfeuern würden.

Joseph Weisbrod

Spielbericht in der RNZ

Anatomen siegen im Spitzenspiel

ASC Neuenheim gewinnt mit 2:1 in Mühlhausen

Keine zwei Minuten waren gespielt, als Fuchs per Flugkopfball eine Thome-Flanke zur Führung vollendete. Danach entwickelte sich ein zähes Kampfspiel mit seltenen Strafraumszenen. Neuenheim hatte seine Initialzündung, als Routinier Roths 20-Meter-Geschoss im FCM-Netz einschlug (29.). Die cleveren Anatomen besannen sich nun auf Konter. Die Entscheidung fiel, als Riedesel eine Gebhardt-Flanke volley verwertete. Mühlhausen setzte alles auf eine Karte, doch Torwart Bolich hielt den Sieg fest.

Bilder zum Spiel von Helmut Pfeifer

Spieltag und Tabelle