Saison 2025/26
Heidelberg Kreisliga
Vorbericht zum 27. SpieltagRNZ-Vorschau
Den Fußball-Vereinen gehen die Spieler aus
Zehn Abgänge in Lobbach – Hirschhorn und Moosbrunn bilden Spielgemeinschaft – Die rühmliche Ausnahme: Ein Feierbiest
Von Wolfgang Brück
Heidelberg. Timo Fischer war leicht genervt. "Diese Frage muss ich fast täglich beantworten." Es geht das Gerücht, dass die SG-SV Lobbach ihre Mannschaft aus der Landesliga zurückziehen muss und in der kommenden Runde in der Kreisliga spielt. Tatsache ist, dass zehn (!) Spieler den Vorjahres-Aufsteiger verlassen. Trainer Patrick Münkel, einer der Väter des Höhenfluges, wechselt zum Liga- Rivalen FV Brühl. Fischer, derzeit noch im Spielausschuss des Partnervereins SV Waldhilsbach und in der nächsten Runde Nachfolger von Münkel in Lobbach, stellt in der Rhein-Neckar-Zeitung klar: "Lobbach wird auch in der kommenden Saison in der Landesliga spielen. Acht Neuzugänge stehen bereits fest."
Ganz aus der Luft gegriffen sind die Gerüchte nicht. Fischer gibt zu: "Es wird zunehmend schwerer, Spieler zu finden." Das gilt nicht nur für Lobenfeld, Waldwimmersbach und Waldhilsbach, die sich zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen haben. "Betroffen sind vor allem die Vereine im Odenwald, besser sieht es in der Rhein-Ebene aus und gut in Heidelberg", sagt Johannes Kolmer, der Vorsitzende im Fußballkreis Heidelberg.
Der Heidelberger SC und der ASC Neuenheim werden wohl weiterhin mit mehreren Männer-Mannschaften an den Start gehen. In ländlichen Gebieten müssen Spielgemeinschaften gebildet werden, damit die Sportplätze nicht gänzlich verwaisen, wie das bereits in Wiesenbach oder Gaiberg geschehen ist.
Der FC Hirschhorn und der SV Moosbrunn werden ab Sommer gemeinsam marschieren. Die Zahl der Abmeldungen nimmt zu. Nach den Reserve-Teams des VfL Heiligkreuzsteinach und von RB Heidelberg bekommt auch die SG Dielheim II keine Elf mehr zusammen.
Noch liegt die Zahl der Mannschaften im Fußballkreis mit über 70 auf einem Niveau, von dem man in anderen Sportarten nur träumen kann. Doch Kolmer ist sich der Problematik bewusst. Seit Jahren kann man die Zahl der A-Jugend-Mannschaften an zwei Händen abzählen. Es wachsen zu wenige Fußballer nach.
Zwar verkündete unlängst der im Nachwuchsbereich tätige ehemalige Trainer des VfB Stuttgart und des Hamburger SV, Hannes Wolf, dass in Deutschland über zwei Millionen Kinder Fußball spielen, doch mit der Pubertät ändern sich die Interessen. Der Fußballkreis Heidelberg will mit qualifizierten Trainern entgegenwirken. Kolmer: "Wir gehen zu den Vereinen, bieten Lehrgänge an. Sie werden angenommen."
Doch vorerst macht der Notstand den Funktionären zu schaffen. Was früher undenkbar war, passiert heute regelmäßig: Spieler schwänzen das Training und lassen ihre Mannschafts-Kameraden sogar bei den Spielen im Stich. Ein Rock- Konzert, ein Wochenende mit der Freundin oder der Geburtstag der Oma sind wichtiger. "Für manche sind Training und Spiele wie der Besuch im Fitness- Studio. Wenn man Zeit und Lust hat, geht man hin, sonst bleibt man weg", sagt Fischer.
Zum Glück gibt es auch positive Beispiele. Björn Lipschitz will der SpG Waldhilsbach I/Lobbach II beim sich zuspitzenden Kampf gegen den Abstieg helfen. Die Torjäger-Legende wird am Samstag im Kellerduell beim FC Rot und für den Rest der Runde dabei sein. Feierbiest "Lippe" vergisst die frohen Stunden nicht, die er in Waldhilsbach erleben durfte.
Beim 2:4 in Eberbach fehlten dem FC Rot drei Spieler, weil sie andere Unternehmungen vorzogen, wie Sportchef Achim Jung bedauert. Als die Stammplätze noch heiß umkämpft waren, hätten sie sich erst mal hinten anstellen müssen. Den Luxus kann man sich nicht mehr leisten. Jung: "Wir werden mit den Spielern reden. Aber an erster Stelle steht das Interesse des Vereins. Die beste Mannschaft wird spielen."
Zwischen Rot (27 Punkte) und Waldhilsbach I/Lobbach II (28) fällt eine Vorentscheidung darüber, wer Neuenheim und Baiertal in die A-Klasse begleiten muss. Frauenweiler (23) ist dem Duo nach vier Siegen in Folge auf den Fersen. Leistet sich Rauenberg in Kirchheim einen weiteren Ausrutscher, dann wäre der VfB Leimen bei dem zu erwartenden Sieg über Neuenheim II bereits drei Spieltage vor Schluss Meister und der ersehnte Landesliga-Aufstieg unter Dach und Fach.
Freitag, 19.30 Uhr: 1. FC Mühlhausen II - SG Horrenberg; Samstag, 15 Uhr: FC Rot - SpG Waldhilsbach/Lobbach II; Sonntag, 15 Uhr: SpG Dilsberg/Bammental II - SpVgg Baiertal, VfB Leimen - ASC Neuenheim II, SG Dielheim - Eberbacher SC, TB Rohrbach - Heidelberger SC, FC Frauenweiler - FT Kirchheim, SG Heidelberg- Kirchheim II - VfB Rauenberg.
RNZ vom 08.05.2026, Seite 23