Saison 2025/26
Heidelberg Kreisliga
Vorbericht zum 22. SpieltagRNZ-Vorschau
"Männer, ihr müsst Gras fressen"
Das ist schwierig, wenn es sich um einen Kunstrasen handelt, ein Geläuf, das die Kreisliga-Meisterschaft entscheiden könnte
Von Wolfgang Brück
Heidelberg. Eine Klasse - zwei unterschiedliche Bedingungen. In der Fußball-Kreisliga Heidelberg trägt knapp die Hälfte der Vereine seine Spiele auf Kunstrasen aus. Die anderen haben Naturrasen. Im engen Meisterschafts-Dreikampf zwischen dem VfB Leimen (49 Punkte), dem VfB Rauenberg und der SG Dielheim (beide 48) könnte das von entscheidender Bedeutung sein.
"Den besseren Fußball kann man auf Kunstrasen spielen", sagt Manuel Wengert, "gerade in dieser Jahreszeit sind die Plätze mit Naturrasen häufig in keinem guten Zustand. Es gibt Unebenheiten, die Bälle verspringen." Wengerts VfB Leimen gilt als die technische beste Mannschaft der Kreisliga, kann ihre Stärke auf dem Kunstrasen des Otto-Hoog-Stadions ausspielen. Auswärtsspiele sind für Wengert deshalb auch Charakter-Tests "Gerade auf schlechten Plätzen setzt sich nicht selten die Mannschaft durch, die den Sieg mehr will und mehr investiert."
Nicht von ungefähr motivieren Trainer gerne mit martialischen Sprüchen wie: "Männer, ihr müsst Gras fressen." Auf dem Kunstrasen ist das schwierig. Dafür gibt es andere Vorteile. Auf Kunstrasen kann das ganze Jahr gekickt werden. Heiko Rosenfelder ist davon begeistert. "Als ich Trainer beim TSV Rettigheim war", erinnert er sich, "bestand die Winter-Vorbereitung im wesentlichen darin, dass wir durch Rettigheim gerannt sind."
In der Pleikartsförster Straße, wo Rosenfelder jetzt das Training leitet, ist ganzjährig geöffnet. Neben seinen Freien Turnern profitieren auch die SG Kirchheim II, der Heidelberger SC und der Turnerbund Rohrbach von den strapazierfähigen Allwetter-Anlagen der Stadt Heidelberg. Die Qualität ist erheblich besser geworden. Wurde früher Gummi-Granulat verwendet, das vielfach aus alten Autoreifen gewonnen wurde, so kommen jetzt umweltfreundlichere Materialien zum Einsatz. Hersteller werben, dass auf Kunstrasen das gleiche Spiel wie auf Naturrasen möglich ist.
"Kunstrasen bleibt Kunstrasen", widerspricht Wengert. "Schon der Geruch von gemähtem Gras gehört für mich zum Fußball-Feeling", denkt er zurück an seine Zeit in der Regional- und Oberliga. Aber: Wo Gras wächst, muss nicht nur geschnitten, sondern auch gewässert und gewalzt werden. Die Ehrenamtler, die in den kleinen Vereinen die aufwendige Pflege übernehmen, werden weniger.
Das bedauern die Sportmediziner. Naturrasen belastet die Gelenke weniger, die Verletzungsgefahr ist geringer. Stefan Schneider muss nicht lange überlegen, für was er sich entscheiden würde, hätte er die Wahl: "Für einen gepflegten Naturrasen", sagt der Trainer von Aufsteiger 1. FC Mühlhausen II. Am besten Wembley.
Für den VfB Leimen ist erst mal die Landesliga das Ziel. Der Spitzenreiter gewann dreimal hintereinander, am Sonntag sogar mit 9:1 gegen Frauenweiler, dennoch ist der Vorsprung hauchdünn. Auf dem nagelneuen Kunstrasen der Freien Turner Kirchheim sollte eigentlich nichts verrutschen.
Die Aufgaben für die Konkurrenz sind kaum einfacher. Der VfB Rauenberg, wo zuletzt öfter die Null stand, es aber vorne klemmt, empfängt den VfB Eberbach, der sich in den zurückliegenden Spielen fürs Pokalfinale warm schoss. Die Dielheimer Notelf reist auf den Dilsberg, wo die Gastgeber nur durch einen Sieg aus dem Titel-Dreikampf noch mal einen Vierkampf machen können. In Rauenberg, Dielheim und auf dem Dilsberg kommt das Gras aus dem Boden und nicht aus der Fabrik.
Im Abstiegskampf fällt eine weitere Vorentscheidung: Wenn die SpVgg Baiertal gegen Waldhilsbach I/Lobbach II nicht gewinnt, dann ist es wohl aus mit dem Nimbus der "Unabsteigbaren".
Sonntag, 12.15 Uhr: ASC Neuenheim II - FC Rot; 12.30 Uhr: 1. FC Mühlhausen II - FC Frauenweiler; 15 Uhr: SpVgg Baiertal - SpG Waldhilsbach/Lobbach II, VfB Rauenberg - Eberbacher SC, SG Heidelberg-Kirchheim II - TB Rohrbach, SpG Dilsberg/Bammental II - SG Dielheim, 15.30 Uhr: FT Kirchheim - VfB Leimen; 17.30 Uhr: Heidelberger SC - SG Horrenberg.
RNZ vom 27.03.2026, Seite 23