Saison 2025/26
Heidelberg Kreisliga
Vorbericht zum 14. Spieltag

RNZ-Vorschau

Ohne die Visionen geht es Philipp Richter besser

"Ab der Landesliga spielt das Geld eine zu große Rolle" – VfB Leimen erobert den Gipfel – Fischer: Es sind zu wenige Punkte im Netz

Von Wolfgang Brück

Heidelberg. Philipp Richter hatte Visionen. Als seine Freien Turner noch in der C-Klasse waren, formulierte er ein Ziel, das belächelt wurde: "Wir wollen mit unserem Ortsnachbarn in einer Liga spielen." Jetzt hat er sein Derby. Allerdings, die Freien Turner Kirchheim müssen am Sonntag mit der zweiten Mannschaft der SG Kirchheim vorlieb nehmen.

Häme ist nicht angebracht. Im Gegenteil. "Philipp hat unfassbar gute Arbeit geleistet", zieht Thorsten Maas den Hut, "er hat zu einem Zeitpunkt, als wir das vernachlässigt haben, Spieler aus Kirchheim begeistert." Ihren Höhenflug krönten die Roten 2019 mit dem Aufstieg in die Landesliga. Fünf Jahre hielt sich der Senkrechtstarter in der siebten Klasse, sogar die Verbandsliga war in Sichtweite, ehe finanzielle Probleme zum freiwilligen Rückzug zwangen.

Die Derbys damals waren Festtage. 1000 Zuschauer und mehr kamen. Bei einem Unentschieden gewannen die Blauen sieben Mal, darunter einmal am grünen Tisch, weil die Roten einen nicht einsatzberechtigten Spieler aufstellten.

"Kärsche zwo", letzte Runde überraschend Vizemeister, backt diesmal kleinere Brötchen. "Die Unbekümmertheit ist weg", bedauert Thorsten Maas.

Überschattet wird das Derby von einer traurigen Nachricht. Klaus Maas, der Vater des Stellvertreters von Abteilungsleiter Thomas Fontana, starb mit 71 Jahren. Er spielte früher selbst Fußball beim BSC Mückenloch und war bei allen Spielen dabei. Sein Enkel Fabian hütet bei der SG Kirchheim das Tor.

Martin Dufke, mit dem die Freien Turner von der C-Klasse bis in die Landesliga marschierten, wird am Sonntag natürlich in der Pleikartsförster Straße sein. Sein Tipp: "Wir gewinnen mit 2:1."

Philipp Richter, ist damals wegen seiner Visionen nicht zum Arzt gegangen, wie es Alt-Kanzler Helmut Schmidt empfahl. Aber: Den Abstieg empfindet er mittlerweile als Segen. "Es macht wieder mehr Spaß. Oberhalb der Kreisliga spielt das Geld eine zu große Rolle."

Mit mehreren Ausfällen, unter anderen fehlen die verletzten Tim Gauch, Dominik Mrosek und Samet Kaya sowie Urlauber Nils Menges, dafür aber mit Mannabär "Manni" geht der VfB Rauenberg ins Heimspiel gegen den ASC Neuenheim II. In Rauenberg ist Kinder-Aktionstag mit Pommes und einer Popcorn-Maschine. Sportchef Christian Erhart pflegt weiter sein Understatement: "Leimen wird Meister, wir und Dielheim konkurrieren um den zweiten Platz."

Die großen Drei werden unter sich bleiben, glaubt derweil Steffen Kittel. "Wir haben viele talentierte Spieler und alle sind aus Eberbach, aber die Mannschaft ist jung und es fehlt die Konstanz", sagt der Torjäger und Co-Trainer. Nach einem schwarzen September gab es zuletzt sechs Siege, darunter zwei gegen die SG Dielheim.

Damit kletterten Kittel und Co. auf den sechsten Platz und im Pokal steht der Sieger von 2024 erneut im Finale. Mit 27 Toren in 13 Spielen hat Eberbach den viertbesten Angriff der Kreisliga, der FC Frauenweiler kommt am Sonntag mit der schwächsten Abwehr (schon 85 Gegentreffer), dafür aber mit dem prominentesten Trainer der Klasse: Ex-Profi Matthias Örüm.

Aufsteiger Waldhilsbach I/Lobbach II fehlen "vier bis fünf Zähler." Bedauert Timo Fischer vom Spielausschuss. "Wir haben Punkte liegen lassen. Denn wir haben ein junges und unerfahrenes Team", meint der Neckarsteinacher. Fünf spielten in der zurückliegenden Runde noch in der C-Klasse: Bastian Becker, Jonas Werner, Max Katzenberger, Paul Häusele und Marcel Lechwar. Das Saisonziel sind 30 Punkte. Timo Fischer: "Wenn wir vor der Winterpause zwei unserer vier Spiele, am Sonntag gegen den Turnerbund Rohrbach, danach in Frauenweiler und Mühlhausen sowie gegen die SG Kirchheim II, gewinnen, wären wir am Etappenziel."

Seit Mittwochabend ist der der VfB Leimen neuer Tabellenführer. Die Jungs von Manuel Wengert setzten die Serie ihrer eindrucksvollen Siege mit einem 7:1 gegen den FC Rot fort. Ein Torfestival gab es auch in Mühlhausen, wo die Reserve des Verbandsligisten die Freien Turner Kirchheim mit 6:1 abkanzelte.

Freitag, 19.30 Uhr: SG Horrenberg - SpG Dilsberg I/Bammental II; Sonntag, 14 Uhr: FT Kirchheim - SG Heidelberg-Kirchheim II; 14.30 Uhr: VfB Leimen - SpVgg Baiertal, SpG Waldhilsbach I/Lobbach II - TB Rohrbach, Eberbacher SC - FC Frauenweiler, VfB Rauenberg - ASC Neuenheim II; 15.30 Uhr: Heidelberger SC - 1. FC Mühlhausen II.

RNZ vom 07.11.2025, Seite 26