Von Wolfgang Brück
Heidelberg. Die Rhein-Neckar-Zeitung wollte über das Pokalspiel zwischen dem ASC Neuenheim und Fortuna Heddesheim (2:5) berichten. Andreas Knorn hat das verhindert. "Sie haben hier Hausverbot", sagte der Vorsitzende des ASC Neuenheim zum RNZ-Reporter, "dort ist die Tür." Auf die Frage nach einer Begründung für die drastische Maßnahme, antwortete Knorn: "Es gibt keine Begründung. Das brauchen wir nicht."

Auf dem Rasen wurde zwischen dem ASC Neuenheim (gelb) und Fortuna Heddesheim mit
harten Bandagen gekämpft. Auch neben dem Platz griff ASC-Vorsitzender Andreas
Knorn zu drastischen Mitteln – und erteilte dem RNZ-Reporter Hausverbot. Foto:
F&S
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Der einstige Vorzeige-Klub stand zuletzt öfter im Fokus. Der Verbandsligist verlor fast seine ganze Mannschaft. Die altgedienten Präsidiums-Mitglieder Dr. Werner Rupp, sein Sohn Julian, Werner Rehm und Joseph Weisbrod legten ihre Ämter nieder. Team-Manager Danny Stiegler und Sportchef Marc Saggau erklärten ihren Rücktritt. Trainer Jan Herle wurde ersetzt. Die Mannschaft, die – ein Novum in der Verbandsliga – sogar zu einem Spiel nicht antrat, stieg sang- und klanglos ab.
"Ich kenne einige, die sich vom Verein abgewendet haben", bedauert Marc Saggau. Die Klub-Legende war Spieler und Trainer, mit 50 stand er an der Seite seines Sohnes Yannick zum letzten Mal selbst auf dem Platz. Nach 45-jähriger Mitgliedschaft trat er aus dem Verein aus. "Der ASC Neuenheim stand für Offenheit, Harmonie und Toleranz. Bei uns gab es nie die Probleme, die gelegentlich auf anderen Sportplätzen vorkommen", blickt Saggau mit Wehmut zurück.
Dr. Luz Kostzrewa, namhafter Gynäkologe und ein Mann der ersten Stunde, richtete einen Appell an den neuen Vorstand, der aus Vater und Sohn Andreas und Maximilian Knorn sowie dem neuen Spielleiter Cem Üzum besteht, er möge sich doch bitte den Mitgliedern in einer Wahl stellen. Er bekam keine zufriedenstellende Antwort.
"Das ist das Verhalten von Autokraten", sagt Joseph Weisbrod. Deutliche Worte findet das 65-jährige Ehrenmitglied auch für das "Hausverbot" gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. "Wir sollten dankbar sein, dass die RNZ ausführlich auch über die unteren Ligen berichtet. So kann man die Pressefreiheit nicht einschränken. Es ist ein Skandal. Peinlich und vereinsschädigend."
Weisbrod war die vernehmbare Stimme des ASC Neuenheim. In 13 Jahren wurden seine Beiträge in den sozialen Medien vier Millionen Mal geklickt. Jetzt beklagt er mangelnde Transparenz: "Die Mitglieder werden nicht mehr regelmäßig über Newsletter informiert. In den Sozialen Medien kommen wir kaum noch vor. Der letzte Eintrag auf der Homepage stammt von Anfang Mai."
Vielleicht liegt es daran, dass der neue Chef auf anderem Gebiet gut beschäftigt ist. Mehrere Rechtsanwälte sollen für den ASC arbeiten. Weisbrod wurde verklagt, weil er nicht fristgerecht sein Baby, die Sozialen Medien, an die neue Führung übergab. Er musste 550 Euro zahlen.
Unterschiedliche Vorstellungen zwischen Nachwuchs- und Senioren-Abteilung führten dazu, dass ein Riss durch den knapp 700 Mitglieder zählenden Verein aus dem noblem Heidelberger Stadtteil geht. Knorn setzte ein Konzept durch, in dem die Förderung des Nachwuchses absoluten Vorrang hat und in dem weitgehend auf auswärtige Spieler verzichtet werden soll.
Den Konflikt hat Neuenheim nicht exklusiv. Eine geschickte Vereinspolitik sorgt für einen Ausgleich der Interessen. Gute Jugendarbeit, wie sie zweifellos in Neuenheim gemacht wird, und eine starke Herren-Mannschaft schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich idealerweise.
So sieht es auch der oberste Heidelberger Fußballer. Johannes Kolmer rügt das Verhalten des ASC Neuenheim. Der Vorsitzende des Fußballkreises Heidelberg sagt: "Es ist kein Umgang mit der Presse, ein Hausverbot zu erteilen. Ich bin dafür, dass man sich sachlich damit auseinandersetzt, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt."
ASC Neuenheim: Ben Augste (TW), Tiago Bianchessi Cetolo, Moritz Hugo, Finn Kölmel (60. Jonas Gimber), Arda Kocak (68. Robin Zeitler), Robert Kincses (60. Henry Leuzinger), Michel Schwarz, Maxim König, Marius Brunsing (75. Luca Weiler), Lennart Günther (C), Petar Draganjac (86. Bryan Faith) - Fatlum Beciri (ETW), Jonas Gimber, Luca Weiler, Robin Zeitler, Bryan Faith, Robin Feldbusch, Henry Leuzinger, Tim Czwielung - Trainer: Linus Sandmann
FV Fortuna Heddesheim: Tim Kallis (TW), Robin Szarka (46. Marc Lutz), Marcel Gessel, Lotfi Graidia (60. Luca Graciotti), Topaz Kronmüller, Giuliano Cultrera (60. Enis Baltaci), Oliver Malchow (C), Florian Butscher, Leon Edobor, Pasquale Marsal (46. Mario Müller), Marcel Schwöbel (70. Yunus Emre Karakaya) - Trainer: René Gölz
Tore:
Schiedsrichter: Miguel Andrés Rapp (VSV Büchig)