"ASC" wird gemeinhin bei Sportvereinen als Abkürzung für "Athletik-Sportclub" verwendet. Seit dem 7.August 1978 liest man im Vereinsregister des Amtsgerichts Heidelberg unter Nummer 1205 einen ASC Neuenheim. Dem Sport haben sich die bisher 30 Mitglieder dieses Vereins gleichwohl verschrieben, nur sind es keine muskelprotzenden Schwer- oder flinke Leichtathleten, sondern Fußballer. So ungewöhnlich der ausführliche Name, nämlich "Anatomie-Sportclub", klingt, so außergewöhnlich stellt sich auch die Besetzung der Fußballmannschaft dar, die den Punktspielbetrieb der Saison 1978/79 in der Heidelberger Kreisliga B am 27.August gegen Frauenweiler aufnehmen wird: Assistenten, Doktoranden und Universitätsangestellte in den technischen Bereichen des Anatomischen Instituts Heidelberg werden auf einem Hartplatz des Uni-Sportgeländes fortan dem Leder und damit den Punkten nachrennen.
Begonnen hatte das "Unternehmen Anatomie-Sportclub" eigentlich im Jahre 1972. Damals so erzählt Prof. Wolf-Georg Forssmann, Leiter des Anatomischen Instituts Heidelberg, Vorsitzender des ASC und Aktiver im Fußhallteam, gehörte das Kicken im Hinterhof der alten Anatomie in der Hauptstraße zur beliebtesten Freizeitbetätigung der Assistenten. Man sei hernach auf die Neckarwiesen gewechselt, ein zweiter Platz der Instituts-Elf beim Uni-Turnier 1977 zeigte denn auch Früchte des Trainingseifers.
Der Entschluß, einen Verein zu gründen, wurde schließlich im Juni dieses Jahres in der Gründungsversammlung im Anatomischen Institut verwirklicht. War hier zunächst bei der Namensgebung "FBU" (Freunde des Bewegungssports der Universität) in der Diskussion Favorit, so entschied sich die Versammlung letztlich für "Anatomie-Sport-Club (ASC) Neuenheim, wie der Verein seit gestern auch beim Badischen Fußballverband in Karlsruhe geführt wird.
"Spaß und Kameradschaft" soll fortan beim ASC das Fußballspielen auch in einer Meisterschaftsrunde beinhalten. 1.Vorsitzender Forssmann bedeutet, daß sich dem Verein prinzipiell jeder anschließen könne, daß man keineswegs einen exklusiven "Akademiker-Club" darstellen möchte. Grundsätzlich habe sich der Verein mit der sportlichen Betätigung als erstrebenswertes Ziel die Erhaltung und Förderung der Gesundheit an die blau-gelben Fahnen geheftet. Und ebenso besitze grundsätzliche Bedeutung, daß keiner der Aktiven für die sportliche Leistung mit einer Bezahlung zu rechnen habe - auch nicht Trainer Roland Taugner, der die alleinige Verantwortung für die Aufstellung der Elf in der Verbandsrunde trägt.
Obwohl fünf Akteure der Mannschaft schon Erfahrungen aus anderen Clubs für die bevorstehende Saison mitbringen, schrauben die ASCler den Erwartungshorizont keineswegs hoch. "Nicht Tabellenletzter werden, und auch ,mal ein Spiel gewinnen", wünschen sich die kickenden Mediziner, die aus ihrer ersten Verbandsrunde in erster Linie lernen wollen, die aber dennoch das Niveau von "Sonntagsspielern" zu übertreffen gedenken.
Apropos Sonntag: Nicht an jedem dieser Tage wird die Mannschaft in derselben Aufstellung einlaufen können. Oft weilen die Assistenten der Anatomie auf Kongressen. Libero, Dr. Helmstädter, Oberassistenzarzt an der Poliklinik, hat dort in bestimmten Zeitabständen Sonntagsdienst, und auch Prof. Wolf-Georg Forssmann, Sohn des Medizin-Nobelpreisträgers Werner Forssmann, wird bisweilen die "Töppen" nicht anziehen können, wenn er als ständiger Gastprofessor an der Harvard Medical School liest oder als Ehrenmitglied der Academia Sciencia Medicalis von Cordoba in Argentinien weilt. Gleichwohl hofft der ASC Neuenheim mit seinem internationalen Aufgebot (ein Afrikaner, ein Amerikaner, ein Jordanier und ein Italiener tragen unter anderem das ASC-Trikot) nach Beendigung der Saison 1978/79 so viel Erfolg eingespielt zu haben, daß - möglicherweise - sogar mit einer Jugendarbeit begonnen werden kann.
Zunächst indessen wollen die Aktiven der ASC, der sich durch Beiträge und Spenden selbst finanziert, erst einmal "als Spielpartner akzeptiert" werden. Und dies schließlich auch beim gemeinsamen Bier nach dem Schlußpfiff.
G.0.